Durchlässig für schnelle Daten

Lufthansa Technik entwickelt mit „TIOS 2.0" zudem eigenes Radom

Um Highspeed-Internet- und TV-Verbindungen wie zu Hause auch an Bord eines Passagierflugzeugs zu ermöglichen, müssen sie dafür mit sich selbst ausrichtenden Antennen ausgerüstet werden. Bei Flugzeugmustern vom Typ Boeing BBJ-1 (737-700) und BBJ-2 (737-800) werden die mechanisch gesteuerten Antennensysteme unter einem Radom, das auf dem Seitenleitwerk montiert ist, untergebracht. Da auf diesen Flugzeugmustern nur wenig Raum für die Ausrüstung mit zusätzlichen Sende- und Empfangsanlagen vorhanden ist, hat Lufthansa Technik anders als bei einer Standard-Konfiguration mit zwei separaten Antennen eine neue Two-In-One-Lösung (TIOS) entwickelt. TIOS spart Platz und − je nach Ausstattungsumfang − bis zu 45 Kilogramm Gewicht. Darüber hinaus reduziert das aerodynamische Design den Luftwiderstand und damit die Betriebskosten. Außerdem wirkt sich die Montage der Antennen-Subsysteme im hinteren Rumpf positiv auf den Schwerpunkt des Flugzeugs aus. 

  • 2017 TIOS
    Lufthansa Technik hat eine neue Two-In-One-Solution (TIOS) entwickelt.
  • 2017 TIOS Autoclave
    Die entsprechenden Teile für das Radom werden mit dem hauseigenen Autoklav hergestellt.
  • 2017 TIOS Structure
    Ein völlig eigenständiger, neuer Materiallagenaufbau wurde entwickelt.
  • 2017 TIOS Radome
    Lufthansa Technik ist einer von weltweit wenigen Herstellerbetrieben für diese Radome.
  • 2017 TIOS Radome 2
    Unter dem Radom

Seit dem Jahr 2000 wird TIOS als ideale Plattform für die Installation von Satcom- und Satelliten-TV-Antennen an Boeing Business Jets genutzt. Lufthansa Technik hat TIOS sowohl für den eigenen VIP-Bereich Completion als auch für Fremdfirmen angeboten. Verfügbar waren bislang Lösungen für L- und Ku-Band-Frequenzen, die jeweils unterschiedliche Datenraten bieten. Während beispielsweise das L-Band für gleichzeitige Telefon- und Datenübertragung lediglich Geschwindigkeiten bis zu 864 kbit/s ermöglicht, steht das Ku-Band für schnellere Datenübertragungen. „K" steht für „kurz" und bezieht sich auf die Wellenlänge der Signale zwischen Satellit und Flugzeugantenne. Während das Ku-Band Datenraten um die 50 Mbit/s ermöglicht, sind beim Ka-Band Datenraten von bis zu 100 Mbit/s möglich. Damit lässt sich sogar Live-TV-Streaming im Flugzeug realisieren.

Für TIOS konnten die L- und Ku-Band-Frequenzen 15 Jahre lang genutzt werden, bis das KA-Band von Inmarsat aktiviert wurde. Für dieses neue Frequenzband war das alte Radom nicht mehr durchlässig genug. Daher hat Lufthansa Technik unter der Leitung des Bereiches Original Equipment Innovation (OEI) im Dezember 2015 begonnen, TIOS 2.0 zu entwickeln. Nach ausgiebiger Erforschung von Materialien und deren Eigenschaften konnte zusammen mit dem Bereich Airframe Related Components nun völlig eigenständig ein neuer Materiallagenaufbau aus eigener Methodik heraus entwickelt werden. Zum Schutz dieser innovativ ausgestalteten Radomwandung hat Lufthansa Technik beim Deutschen Patent- und Markenamt eine Patentanmeldung eingereicht. Die entsprechenden Teile für das Radom werden mit dem hauseigenen Autoklav hergestellt.

Nach erfolgreich abgeschlossenem Design und diversen Tests hat Lufthansa Technik im Dezember 2016 das Supplemental Type Certificate (STC) der European Aviation Safety Agency (EASA) und die Validation der Federal Aviation Administration (FAA) erhalten. Damit ist Lufthansa Technik nun ganz offiziell einer von weltweit wenigen Herstellerbetrieben für diese Radome.