Schicht für Schicht weniger Schadstoffe

Green MRO dank innovativem Klarlacksystem

Die vornehmlich in VIP-Kabinen verbauten hochglanzpolierten Holzoberflächen müssen - wie alle anderen im Flugzeugbau verwendeten Materialien auch - höchsten Sicherheitsstandards entsprechen. Zu optischen Zwecken und zur Einhaltung der Brandschutzbestimmungen werden diese Oberflächen mit wirkungsvollen Flammschutzmitteln und Klarlacken mit einem hohen Anteil an organischen Lösungsmitteln versehen. Lufthansa Technik hat alternative Systeme erforscht, um die Umwelt zu entlasten und die Gesundheit der Mitarbeiter besser zu schützen.

Um die erwünschte Qualität zu erzielen, werden die Holzdekoroberflächen mit bis zu zehn Klarlackschichten versehen. Für gewünschten Glanzgrad und eine hohe Beständigkeit sorgt abschließend eine Beschichtung mit einem speziellem Endlack. Handelsübliche Klarlacke bestehen - neben den üblichen Lackadditiven (Hilfsstoffe, die dem Beschichtungsstoff zugesetzt werden) - fast ausschließlich aus Binde- und Lösungsmitteln. Während Bindemittel als Ausgangssubstanz für die anderen späteren Bestandteile des Lacks dienen, bestimmen die Lösungsmittel Fließ- und Aushärteverhalten des Lacks. Nach dem Auftrag verdunstet das Lösungsmittel beim Trocknungsprozess vollständig.

Flüchtige organische Lösungsmittel sind jedoch Stoffe, die beim Verdunsten nicht nur unangenehme Gerüche, sondern auch Gesundheits- und Umweltschäden verursachen können. Da man nicht grundsätzlich auf Lösungsmittel in Lacken verzichten kann, gilt es, ihren Anteil auf ein Minimum zu reduzieren. Außerdem muss der Lack über die luftfahrttechnische Brandfestigkeit verfügen, sollte umwelt- und gesundheitsverträglich sein und dennoch über die vom Kunden erwünschte Brillanz verfügen. Außerdem sollen im Idealfall zusätzliche Aufwendungen für Material und Herstellungsprozesse vermieden werden.

Um diese vielfältigen und höchst anspruchsvollen Anforderungen zu erfüllen, hat Lufthansa Technik mit den Verbundpartnern Akzo Nobel Deco GmbH, dem Fraunhofer-Institut PYCO, dem Bremer Institut für angewandte Strahlentechnik – BIAS und dem von Thünen Institut für Holzforschung das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Umweltfreundlich lackierte Furnieroberflächen (ULF)" initiiert. In dem von Januar 2010 bis Februar 2013 laufenden, vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekt ist es gelungen, ein neues Lacksystem zu entwickeln, das sowohl den Brandschutz-, Gesundheits- und Umweltbestimmungen und die hohen Qualitätsstandards erfüllt.

Der Anteil an Lösungsmitteln konnte beim neuen Lacksystem von 60 auf 20 Prozent reduziert werden, ohne dass die Verarbeitungsqualität darunter leidet. Durch eine mittels UV-Licht aktivierte chemische Reaktion härtet der Lack schneller aus, der anschließende Schleifvorgang kann früher begonnen werden. Der neue Lack entspricht bereits heute den neuesten EU-Richtlinien zum Schutz von Mensch und Umwelt. Außerdem verfügt der Klarlack über eine deutlich höhere Brillanz als zuvor und genügt damit höchsten Ansprüchen der Kunden.

Der neue Lack wurde bereits zum Patent angemeldet und wird ab Frühjahr 2013, unmittelbar nach Abschluss des Projektes, erstmals in einem Kundenflugzeug vom Typ Boeing 747-8 VIP zur Anwendung gebracht. Mit Hilfe des Forschungs- und Entwicklungsprojekts „Umweltfreundlich lackierte Furnieroberflächen (ULF)" ist Lufthansa Technik ein großer Know-how-Gewinn im Bereich der Lack- und Verarbeitungstechnologien gelungen. Durch den Einsatz des weltweit einzigartigen Lacks werden die hohen Ansprüche des Unternehmens an Green MRO, Mitarbeiterschutz, Nachhaltigkeit, Qualität sowie Zeit- und Kosteneffizienz umfassend erfüllt.