Für noch mehr Sicherheit

Lufthansa Technik entwickelt Lösung gegen Druckabfall in der VIP-Kabine

Die Druckkabine im Flugzeug dient dazu, den Luftdruck selbst in einer Reiseflughöhe von über 10.000 Metern wesentlich höher zu halten, als er außen rund um das Flugzeug herum ist. Die Luft in großer Höhe ist für Menschen viel zu dünn und zu sauerstoffarm. Nur in einem völlig hermetisch abgeschlossenen Raum kann der lebensnotwendige Druck gegenüber einer Umgebung mit wesentlich geringerem Druck aufrechterhalten werden. Wichtig dabei ist, dass der Luftdruck im Flugzeug gleichmäßig hoch gehalten wird und zugleich ein Luftaustausch stattfindet. Das funktioniert, indem die einströmende und die ausströmende Luft entsprechend geregelt werden. 

  • 2016 Rapid Decompression Novespace
    Auch in einem Airbus A310, dem sogenannten Parabelflieger für die französische Novespace, wurden sie verbaut: Strömungsflächen in Decke und Wände.
  • 2016 Rapid Decompression Comparts
    Drei Isolationszelte und ein „Airbag" zur sicheren Aufnahme von kontaminierter Luft im Falle eines Druckabfalls wurden in einen A340-300 der Lufthansa eingebaut. Im Behandlungszelt können Ebola-Patienten auch während des Transportes intensiv-medizinisch versorgt werden.
  • 2016 Rapid Decompression Ebola
    Für die Aufnahme der kontaminierten Luft bei einem plötzlichen Druckabfall wurde ein spezieller „Airbag" mit Anbindung an die Isolationszelte installiert. Erst diese inzwischen zum Patent angemeldete Entwicklung machte die Installation von Isolationszelten in einem Flugzeug möglich.
  • 2016 Rapid Decompression Rendering
    Für den äußerst seltenen Fall eines plötzlichen Druckverlusts sind im Flugzeug Dekompressions- und Strömungsklappen zum Druckausgleich in der Cockpittür, am Boden und an der Seite der Kabine verbaut.
  • 2016 Rapid Decompression Floor
    Da freut sich nicht nur der Interieur-Designer: unauffällige und elegante Integration von Strömungsklappen im Boden einer VIP-Kabine.

Kann der Druck in der Kabine nicht gewährleistet werden, beispielsweise durch die Beschädigung der Außenhaut, spricht man von Dekompression oder Luftdruckabfall. In solch einer Situation werden die Passagiere über Sauerstoffmasken mit Atemluft versorgt und der Pilot leitet sofort den Sinkflug ein, um wieder überlebensnotwendige Zustände an Bord herzustellen. Um selbst bei einem plötzlichen Druckverlust, der innerhalb weniger Sekunden stattfindet, das Überleben der Passagiere zu gewährleisten, sind im Flugzeug Dekompressions- und Strömungsklappen zum Druckausgleich in der Cockpittür, am Boden und an der Seite der Kabine verbaut.

In der Kabine eines VIP-Flugzeuges herrschen andere Bedingungen als in normalen Passagierflugzeugen. Da eine VIP-Kabine in der Regel aus mehreren kleineren Compartments (Abteile) mit geringem Volumen besteht, kommt es bei einem plötzlichen Druckverlust zu großen Druckunterschieden. Um zu verhindern, dass in einem solchen Fall Wände, Decken oder Böden brechen, gibt es darin viele Klappen, die sich bei einem Druckverlust öffnen. Das wiederum erfreut nicht immer die Interieur-Designer, da es häufig schwierig ist, diese unauffällig im Innenraum-Design zu integrieren. Daher hat Lufthansa Technik für den äußerst seltenen Fall, dass es zu einem plötzlichen Druckabfall in der Kabine kommt, eine entsprechende Lösung entwickelt, bei der die Sicherheit weiter erhöht wird und auch nicht mehr zu Lasten des Designs geht.

Kern dieser Lösung ist eine spezielle Berstwand, die im Falle eines Druckabfalls in der Kabine aufbricht und so das Kabinenvolumen sofort großflächig mit dem darüber liegenden Kronenvolumen verbindet. Das Volumen der Innenkabine, die nicht mehr bis an die Außenhaut heranreicht, sondern nur noch bis an die geneigte Berstwand, nimmt beim Druckabfall sofort um das Volumen des darüber befindlichen Kronenvolumens zu. Dadurch kann der Druckanfall in der Kabine verzögert werden, was die Sicherheit für die Passagiere weiter erhöht. Sowohl auf die Berstwand als u.a. auch auf spezielle Lösungen bezüglich der Realisierung der Klappen zum Druckausgleich während einer plötzlichen Dekompression wurden bereits mehrere nationale und internationale Patente angemeldet und zum Teil sogar bereits erteilt.

Auf Basis dieser umfassenden Erfahrung war die Lufthansa Technik in der Lage, einen Airbus A340-300  zu einem weltweit einzigartigem Lazarettflugzeug für Ebola-Patienten umzubauen. Selbst bei einem Druckverlust können keine Keime aus dem kontaminierten Bereich ausströmen und der Patient weiter intensiv-medizinisch versorgt werden. Ein anderes Bespiel für die Expertise der Lufthansa Technik auf diesem Gebiet  stellt der Umbau eines Airbus A310 zu einem Parabelflieger für die französische Novespace dar. Auch hier musste für das Testpersonal an Bord die Sicherheit während einer plötzlichen Dekompression gewährleitstet werden. Aus diesem Grund wurden Strömungsflächen in die Decke und in die Wände der Testkammer integriert.