Auf dem Weg zu MRO 4.0

Voruntersuchung soll in Hauptprojekt „MRO 4.0" münden

Viele Industrieunternehmen stehen vor der Herausforderung einer neuen, vierten industriellen Revolution (Industrie 4.0) – der Digitalisierung der Produktion. Im Zuge dieser Entwicklung müssen sie ihren Automatisierungsgrad erhöhen, den Einsatz von Mensch-Maschine-Unterstützungssystemen prüfen und ihre Wertschöpfungskette, allen voran physische Produktionsprozesse mit den Möglichkeiten der digitalen Welt vernetzen. Ziel ist, die Produktivität weiter zu steigern, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gelingt umso besser, wenn alte Denkmuster über Bord geworfen werden, mehr als nur einzelne Insellösungen herbeigeführt sowie Prozess- und Schnittstellen standardisiert werden. Lufthansa Technik hat die Chancen und Potenziale erkannt und mit Grundlagenuntersuchungen zur Einführung von Industrie 4.0-Technologien in ihren Arbeitsbereichen begonnen. 

  • 2016 MRO 4.0 Blade
    Lufthansa Technik entwickelt eine Messwertübertragung auf mobile Endgeräte.
  • 2016 MRO 4.0
    Eine intelligent vernetzte Produktion, bei der die Mitarbeiter optimal in den Workflow integriert sind, schafft Produktivitätsvorteile.

Hierzu enden in diesen Wochen die seit Oktober 2015 unter der Leitung der Abteilung für Innovationsmanagement in den Bereichen Fahrwerke, Triebwerke und Wartung laufenden Voruntersuchungen. Partner sind die Helmut-Schmidt-Universität, das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL), die Firma Synergeticon und die Technische Universität Hamburg-Harburg. Zunächst werden mögliche Anwendungsfälle mit hohem Umsetzungspotenzial identifiziert, analysiert und vorausgewählt. Anschließend werden diese dann anhand von spezifischen wirtschaftlichen und technischen Umsetzungskriterien priorisiert. Die Ergebnisse dienen der weiteren Arbeitsplanung und als Entscheidungsgrundlage für das bereichsübergreifende Projekt-Cluster „MRO 4.0". Ziel ist die Umsetzung von Industrie 4.0-Anwendungen durch Migration in die Prozesslandschaft der Lufthansa Technik.

Lufthansa Technik entwickelt unter anderem eine Messwertübertragung auf mobile Endgeräte (Tablets), ein Trackingsystem mit Visualisierung im Bereich der internen Logistik sowie eine Handy-Applikation zur Visualisierung auftragsbezogener Daten. Kern dieser Demonstratoren ist die Bereitstellung von Daten zum Standort und Befund auf mobilen Endgeräten zur Unterstützung der Mitarbeiter und Vermeidung von Medienbrüchen zwischen verschiedenen IT-Systemen. Das führt letztlich zu einer besseren Vernetzung aller beteiligten Akteure innerhalb der Produktion. Diese sogenannten Assistenz- und Unterstützungssysteme sind vor allem dazu geeignet, die Mitarbeiter in der Erfüllung ihrer Tätigkeiten sinnvoll und strukturiert zu begleiten.

Die Unterstützung kann entweder virtuell (wie bei der Informationsbeschaffung oder Dokumentation), physisch (wie bei der Bauteilvermessung oder der Montage) oder aus einer Kombination von beiden erfolgen. Alle Assistenz- und Unterstützungssysteme haben die Zielsetzung, Fehler in manuellen Arbeitsprozessen zu reduzieren und eine gleichbleibend hohe Qualität sicherzustellen. Dadurch werden alle beteiligten Instanzen (Mensch, Maschine, Bauteil) vollständig und in Echtzeit miteinander vernetzt und neue wissensbasierte Dienstleistungen durch den Datenaustausch möglich. Eine intelligent vernetzte Produktion, bei der die Mitarbeiter optimal in den Workflow integriert sind, schafft Produktivitätsvorteile. Die Herausforderung liegt in der bestmöglichen Kombination aller Stärken der Mitarbeiter (Flexibilität und Kreativität) mit denen der Automatisierung (Reproduzierbarkeit und Prozesssicherheit).

Nach den Voruntersuchungen sollen identifizierte „Quick Wins", also Themen, mit denen sich ohne großen Aufwand Profit erzielen lässt, umgesetzt werden. Sie dienen zugleich als Vorstufe zur weiteren Einführung von Industrie 4.0-Technologien. Außerdem sollen ab Mitte 2016 schrittweise die identifizierten Potenzialthemen in das Hauptprojekt „MRO 4.0" eingeführt werden. Ein Ziel ist hierbei die Erarbeitung bereichsübergreifender Konzepte und Lösungen, die unter den Abteilungen ausgetauscht werden können. Hierzu sollen mittelfristig sinnvolle Technologien zum „Internet of Things" eingeführt und die Instandhaltung insgesamt ressourceneffizienter gestaltet werden. Dadurch kann ein wesentlicher Beitrag zur Standortsicherung der Produktion geleistet werden.