Wartungsarbeiten
an stillgelegten Flugzeugen

Umfassende Programme zur technischen Betreuung

Lufthansa und viele andere Airlines haben sich nach den Anschlägen vom 11. September 2001 oder auch nach Ausbruch der SARS-Epidemie dazu entschlossen, Teile ihrer Flotten zumindest vorübergehend stillzulegen. Doch ein Flugzeug, das normalerweise täglich tausende von Kilometern zurücklegt, kann nicht ohne spezielle Betreuungs-Maßnahmen einfach für Wochen oder Monate am Boden bleiben. Um als Airline hier flexibel agieren zu können, ist neben guter Planung auch eine entsprechende technische Unterstützung notwendig. Im Aircraft Maintenance Manual (AMM) legen die Hersteller genau fest, wie mit einem geparkten Flugzeug umzugehen ist.

Airbus und Boeing unterscheiden verschiedene Szenarien des Parkens. Bei Airbus gibt es zunächst ein Programm für Flugzeuge, die höchstens zwei Tage am Boden bleiben. Ein weiteres Szenario ist auf die Stillegung eines Flugzeugs für einen Zeitraum von maximal zwölf Wochen zugeschnitten - hierbei wird das Flugzeug in "flight ready condition" gehalten, das bedeutet, dass es mit vergleichsweise geringem zeitlichen Aufwand wieder in die operative Flotte aufgenommen werden kann. Das Szenario "Storage" schließlich beschreibt die Maßnahmen zur Stillegung eines Flugzeugs für bis zu zwei Jahre. Boeing hat zwei Ähnliche Programme aufgelegt: Hier wird unterschieden zwischen dem Parken eines Flugzeugs für bis zu sieben Tage sowie dem "Prolonged Parking", das dem "Storage" bei Airbus vergleichbar ist.
 

Im AMM beschreiben die Hersteller für die genannten Szenarien detailliert, welche Wartungsmaßnahmen bei der Stillegung selbst und bei der Wiederinbetriebnahme nötig sind. Außerdem gibt es je nach Länge der Stillegung verschiedene Kontrollen, die in regelmäßigen Zeitabständen vorgenommen werden müssen. Wird ein für bis zu sieben Tage (Boeing) bzw. zwölf Wochen (Airbus) stillgelegtes Flugzeug durch Lufthansa Technik betreut, so wird hier genau nach den Bestimmungen des AMM vorgegangen. Für die längere Stillegung eines Flugzeugs hat Lufthansa Technik auf Basis des AMM eine geprüfte und zugelassene Vorgehensweise entwickelt und als Engineering Order (EO) herausgegeben. Aufgrund der langjährigen Erfahrung des Unternehmens wurden die AMM-Bestimmungen stellenweise optimiert: Nicht für Lufthansa anzuwendende Arbeiten wurden abgespeckt, die Bestimmungen wurden um andere sinnvolle zusätzliche Kontrollen ergänzt und aktuellen Entwicklungen angepasst. 

"Aircraft in flight ready condition"

Das Szenario "Aircraft in flight ready condition", also die Stillegung für bis zu zwölf Wochen, sieht drei verschiedene Arbeitspakete vor. Zunächst gibt es eine Prozedur für das Parken, dann ist in 15-tägigen Intervallen eine Standzeitkontrolle vorgeschrieben, und schließlich gibt es ein Arbeitspaket "Return to operation". Sollten während der Stillegungs-Phase reguläre Wartungs-Arbeiten am Flugzeug geplant sein (zum Beispiel fällige kalenderzeitabhängige Arbeiten), so werden diese zusätzlich ausgeführt. Bevor das Flugzeug dann wieder den Flugbetrieb aufnimmt, wird noch ein routinemäßiger Service-Check (S-Check) vorgenommen. Bei entsprechendem Vorlauf kann ein Airbus, der in "flight ready condition" geparkt ist, nach zwei bis drei Tagen wieder in die Operation aufgenommen werden. 

"Storage"/"Prolonged Parking"

Die Maßnahmen für ein "Storage" bzw. "Prolonged Parking" sind sehr viel umfangreicher als bei einer kurzfristigen Stillegung. Allein für die Deaktivierung eines Flugzeugs müssen hier durchschnittlich 300 Arbeitsstunden aufgewendet werden. Für die periodischen Kontrollen gibt es verschiedene Intervalle mit unterschiedlich aufwändigem Vorgehen. Die "Storage Procedure" beinhaltet zunächst im wesentlichen die Maßnahmen, die auch für das kurzfristige Parken erforderlich sind. Darüber hinaus werden umfangreiche Konservierungsarbeiten vorgenommen: Die Flight Controls werden abgeschmiert, alle ungeschützten Aluminium- und Stahlteile an der Flugzeug-Außenhaut werden mit Korrosionschutz behandelt.

Weiterhin erhalten beim "Storage" die Triebwerke und die APU eine Konservierungs-Beschichtung, bevor hier die Schutzdeckel aufgesetzt werden. Die Tanks werden zu 90 Prozent gefüllt, um ebenfalls Korrosion zu verhindern. Dem Flugbenzin wird außerdem eine spezielle Schutzflüssigkeit beigemischt. Das Flüssigkeits-Niveau des Hydraulik-Systems wird abgesenkt, das Fahrwerk wird eingefettet. Gummi-Teile des Fahrwerks werden mit Talkum-Puder behandelt, damit sie geschmeidig bleiben. Um die Kabine zu schützen, werden die Sonnenblenden aller Fenster geschlossen, und die Fenster werden darüber hinaus mit einer Schutzschicht versehen. Auf einer großen Station wird mit viel Vorlaufzeit etwa eine Woche benötigt, um alle Maßnahmen auszuführen, damit das Flugzeug wieder in Dienst gestellt werden kann.