Sehen und gesehen werden

Höhere Zuverlässigkeit durch neue LED-Systeme

Flugzeuge sind außen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Lichter bestückt. Anhand unterschiedlicher Farben, Positionen und Funktionen dieser Lichtquellen lässt sich unter anderem aus großer Entfernung erkennen, wo Steuerbord (grün = rechts) und Backbord (rot = links) ist. Die Kollisionswarnlichter eines Flugzeugs sind an den Peripherien wie Tragflächenenden und Rumpfheck (weiß = hinten) sowie oberhalb und unterhalb des Rumpfes (rote Blitzlichter) angebracht. So lässt sich nicht nur jedes Flugzeug aus jedem Winkel, sondern – anhand der Lichtfarbe – sogar die aktuelle Flugrichtung erkennen. Weitere Lampen wiederum wie die Lande- und Rollbeleuchtung dienen der Sicherheit am Boden oder – wie die Logo Lights – repräsentativen Zwecken.

Die an Flugzeugen befindlichen Lichter dienen der Sicherheit und sind vor allem dann vorgeschrieben, wenn bei Dunkelheit geflogen wird. Teilweise sind hiervon aber auch Tages-VFR-Bedingungen nach den hierfür geltenden Sichtflugregeln (Visual Flight Rules) erfasst. Die Positionslichter zur Vermeidung von Kollisionen sind sowohl bei Tag als auch bei Nacht zu betreiben. Um die Zuverlässigkeit noch weiter zu verbessern, wurden Lichtleistung und Lebensdauer der Lichter durch die Verwendung der Leuchtdiodentechnik (LED = light-emitting diode) erhöht. Lufthansa Technik bietet zusammen mit den Partnern Röder Präzision, Honeywell, Teledyne und Goodrich Lighting Systems GmbH eine neue Generation von LED-Lichtern für die Außenbeleuchtung von Verkehrsflugzeugen an. Diese kommt zunächst an Flugzeugen der Boeing 747 und der Airbus A320-Familie, später auch an den Airbus A330/A340-Flotten zum Einsatz.

Die neuen LEDs – es handelt sich nicht nur um neue Leuchtelemente, sondern neu entwickelte Komplettsysteme – bieten gegenüber den bisher verwendeten Glühlampen viele Vorteile: Während Halogen-Lampen eine Lebenserwartung von gerade einmal 50 bis 2.000 Stunden haben, liegt die Betriebsdauer der LED-Lichter aufgrund ihrer abweichenden Funktion als Kaltlichtquelle – im Gegensatz zur Glühlampe als Temperaturstrahler – bei über 30.000 Stunden. Außerdem sind sie unempfindlich gegen Schläge und Vibrationen. Somit sinken nicht nur die Materialkosten, sondern vor allem auch die damit verbundenen Wartungskosten. Voraussetzung für eine hohe Lebenserwartung im Außenbereich von Flugzeugen war vor allem ein optimiertes Thermomanagement, da Betriebstemperaturen von mehr als 80 Grad Celsius die LED-Lebensdauer drastisch verringern.

Die neuen LEDs sind deutlich sparsamer und haben dennoch durch das höhere Lichtspektrum eine stärkere Leuchtkraft. Beispielhaft für die hohe Energieersparnis ist das von Goodrich Lighting Systems GmbH produzierte A320 LED Runway Turnoff Light (RTO) sowie das Logo Light. Während bislang 150 Watt-Halogenlampen zum Einsatz kamen, benötigen die LEDs bei höherer Lichtausbeute gerade einmal 35 Watt Leistung beim Logo Light und 55 Watt Leistung beim RTO. Beide Systeme haben eine ergänzende Musterzulassung nach EASA STC (Supplemental Type Certificate) und lassen sich ohne Modifikationen an Kundenflugzeugen mit älteren Systemen einbauen. Das von Honeywell produzierte Wing Tip Navi Light verfügt über eine mehr als dreimal so hohe Energieeffizienz, wonach statt zuvor 50 Watt nun gerade einmal 15 Watt genügen.

Aufgrund dieser Vorzüge hat sich Airbus entschlossen, alle Flugzeugmuster der A320-Familie mit Exterior Lights der neuen LED-Technologie auszustatten. Die Zulassung für das LED-Logolight für die Airbus A330/A340-Flotte erfolgte 2013. Alle verbliebenen Lufthansa-Flugzeuge der Boeing 747-400 Flotte sind bereits mit LED-Logolights ausgerüstet, die Nav Lights stehen kurz vor der Zulassungserteilung. Auch die Taxi und Turn Off Lights haben Anfang 2013 ihre Zulassung erhalten.

Für Kunden gewinnt die neue LED-Technologie nicht nur bei der Außenbeleuchtung, sondern auch für die Kabinenbeleuchtung an immer größerer Bedeutung. Deutliche Einsparungen bei den Energie- und Wartungskosten sowie höhere Sicherheit und optische Aufwertung sorgen für einen erheblichen Imagegewinn. So gesehen ist „Sehen und gesehen werden" im Bereich Exterior Lighting heute wichtiger denn je.