Lifting für Logbücher

Multifunktionale Schnittstelle ermöglicht elektronischen Datentransfer

Jeder Pilot hält - ähnlich einem Tagebuch - tagtäglich alle Ereignisse und Vorgänge seines Fluges fest. Alle Auffälligkeiten an Flugzeugsystemen und Komponenten werden in Logbüchern dokumentiert, kopiert und anschließend an die entsprechenden Arbeitsbereiche händisch weitergeleitet. Der technische Status aller Systeme wird vom Pilot im Technical Logbook dokumentiert, während alle Kabinenbeanstandungen im Cabin Logbook erfasst werden. So werden die Mechaniker der Werkstätten über alle Auffälligkeiten oder Probleme informiert, die während des Fluges aufgetreten sind und die einer Korrektur oder Reparatur bedürfen. Ein Mechaniker bringt das Logbuch vom Flugzeug ins Werkstattbüro der Wartung, wo zunächst Datentypisten die Daten in ein elektronisches MIS (Maintenance Information System) zur Dokumentation und Nachweisführung übertragen. Diese manuellen Prozesse sind sehr zeitintensiv und mit hohem Aufwand verbunden. Zudem stellen sie eine potentielle Fehlerquelle dar.

Die neue Generation von Flugzeugmustern wie Airbus A350, A380 sowie Boeing 747-8, 777 und 787 verfügen bereits herstellerseitig über elektronische Logbuch-Systeme (eLog), während ältere Flugzeugmuster nachgerüstet werden können. So besteht zukünftig die Möglichkeit, die umfangreichen Papier-Logbücher gänzlich durch elektronische Systeme zu ersetzen. Der Pilot gibt dann alle Daten direkt in das elektronische Logbuch ein und vermeidet so die aufwändige Datenübergabe und erneute Systemeingabe im Werkstattbüro. Eine wichtige Voraussetzung für die elektronische Datenübertragung vom eLog zum MIS ist allerdings eine generische Schnittstelle (Generic Interface). Generische Schnittstellen kommen nahezu ohne Programmierung für die Verbindung zweier Systeme aus. Daher genügt bereits die einfache Konfiguration einiger Parameter in der Schnittstelle, um die Abbildung der Eingabe- auf die Ausgabedaten festzulegen und somit eine automatisierte Übertragung zu ermöglichen.

Lufthansa Technik hat zusammen mit der Abteilung Informatik der Hochschule Hannover und der edatasystems GmbH im Rahmen des Forschungsprojekts "Generic eLog Interface" eine multifunktionale generische Schnittstelle entwickelt, um die vorhandenen Systeme miteinander zu verbinden. Das vornehmliche Ziel des von Dezember 2009 bis November 2013 laufenden und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts bestand in der Entwicklung einer flexiblen "Einklinkarchitektur". Diese ermöglicht sowohl die Integration beliebiger Ein- und Ausgabesysteme, als auch ein hohes Maß an Wiederverwendbarkeit sowie einen geringen Implementierungsaufwand bei der Einführung neuer Systeme.

Ein neues Eingabesystem (Input) setzt die Entwicklung und Integration einer Schnittstelle voraus. Da Daten aus dem Eingabesystem nur gelesen werden müssen, sind dort keine Änderungen für die Nutzung der Schnittstelle notwendig. Für das neue Ausgabesystem (Output) wurde eine Schnittstelle zum Füttern des Zielsystems (MIS) entwickelt und integriert. Als Grundlage der Entwicklungen dienten neben einer Machbarkeitsstudie zwei praktische Tests zur Funktionstauglichkeit der neuen Schnittstelle mit dem in Flugzeugmustern von Boeing zum Einsatz kommenden eLog der Firma Ultramain System und dem Lufthansa Technik eigenen MIS "m/techlog". Letzteres dient zur Verfolgung aller technischen Beanstandungen am Flugzeug und als Grundlage für technische Auswertungen webgestützter Wartungs- und Reparaturverfahren. Die Ergebnisse der Tests ergaben, das die neue generische Schnittstelle auch mit anderen eLog (Airbus und weiteren) sowie MIS-Systemen (AMOS, TRAX etc.) verschiedenster Anbieter funktionieren sollte.

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Generic eLog Interface" tragen ganz wesentlich dazu bei, dass zukünftig doppelte Dateneinträge und Übertragungsfehler entfallen. Außerdem erleichtert die verbesserte Datenqualität nachgeschaltete Auswertungen, so dass beispielsweise Materialdisponenten sehr viel früher die Mögichkeit erhalten, benötigte Ersatzteile zu bestellen. Perspektivisch soll die neue generische Schnittstelle für alle In- und Output-Systeme verwendet werden können und in einem fertigen Produkt münden. Lufthansa Technik wir den Fokus zunächst auf die Eigennutzung der neuen multifunktionalen Schnittstelle richten, die Vermarktung an andere Technikbetriebe ist nicht ausgeschlossen.