Reinigung - Aktivbäder für Triebwerksteile

Bei der Reinigung im falschen Bad ist das Bauteil Schrott

Bevor die Spezialisten der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung an und unter der Oberfläche und auch im Innern eines Bauteiles nach ersten Materialschwächen und –fehlern suchen können, müssen alle Verschmutzungen und Ablagerungen entfernt werden. Die Triebwerksteile benötigen auf ihre Substanzen abgestimmte Reinigungsmethoden, Materialien wie Aluminium, Titan-, Nickelbasis-, Kobalt-, Magnesium- oder Stahllegierungen verlangen jeweils ihr eigenes Reinigungsverfahren. Tanks mit alkalischen oder sauren Reinigern stehen im Triebwerkshop der Lufthansa Technik zur Verfügung. Temperatur der Lösung und die Dauer der Reinigung sind wichtige Parameter und werden in der vollautomatischen Anlage durch den Rechner gesteuert. Materialgleiche Teile werden in rund 1,5 Kubikmeter großen Körben als eine Charge gestaut. Genauestens wird aufgezeichnet, welcher Mitarbeiter welche Charge in welche Reinigungslösung gefahren hat, denn eine falsche Flüssigkeit bedeutet in der Regel das Aus für die meist zig-tausend Euro teuren Teile.

Bei rund 90 Grad Celsius nehmen dann die Chargen aus dem gleichen Material ihr Bad. Die Unterstützung durch Ultraschallwellen erhöht bei hartnäckiger Verschmutzung zusätzlich die Reinigungswirkung. Zunderschichten werden außerdem in Kammern mit Aluoxid-Naß abgestrahlt. Nach den Aktivbädern fahren die Reinigungskörbe in zwei Spülbäder mit entionisiertem (vollentsalztem) Wasser. Das so genannte VE-Wasser wird kaskadenartig bei der Spülung genutzt, wobei sich im letzten Becken ganz reines Wasser befindet. Ein Fühler in den Spülbecken misst kontinuierlich die Leitwerte. Sobald der Salzgehalt durch Aufsalzen über dem Limit ist, läuft neues VE-Wasser nach. Zudem wird verbrauchtes Wasser bei Lufthansa Technik über Umkehrosmose in der Zentralen Industriewasser-Aufbereitungsanlage gefiltert und wieder der Triebwerksreinigung zugeführt.

Alle 20 Reinigungsbehälter sind verschlossen, eine Absaugeinrichtung zieht die Dämpfe ab. Sie werden in einem Gaswäscher gereinigt, erst dann wird die gereinigte Abluft ins Freie geleitet. Einmal im Monat wird aus den Bädern eine Probe zur Konzentrationsmessung entnommen und - wo nötig - die Zusammensetzung adjustiert. Oder fachmännisch gesprochen: "Das Reinigungsmedium wird nachgeschärft" – denn für die folgenden Prüfungen ist die saubere Oberfläche Grundvoraussetzung.