Notrutschen: Unsichtbare Sicherheit

Wartungsprogramm garantiert höchstmögliche Zuverlässigkeit

Viele Sicherheitseinrichtungen moderner Verkehrsflugzeuge kommen im Alltag nie zum Einsatz und sind für den Passagier auch nicht zu erkennen - dafür ist es um so wichtiger, dass sie für den hoffentlich nie eintretenden Notfall zu 100 Prozent funktionieren. Bestes Beispiel hierfür sind die Flugzeug-Notrutschen, welche es den Passagieren ermöglichen, auch unter schwierigsten Bedingungen schnell und sicher die Maschine verlassen zu können. Lufthansa Technik stellt mit einem umfangreichen Wartungsprogramm die höchstmögliche Zuverlässigkeit aller Notrutschen sicher.

Gemäß geltender Vorschriften muss jede Notrutsche alle drei Jahre am Flugzeug ausgebaut und in der Werkstatt überprüft werden. Als "flat firing" bezeichnen die Techniker das Abschießen der Notrutsche am Boden - dieser Test stellt sicher, dass sich die Notrutsche in einem vorgegebenen Zeitrahmen aufbläst. Je nach Flugzeugtyp und Bauart dauert das automatische Aufblasen der Rutsche nur zwischen zwei und zehn Sekunden.

In der Werkstatt wird außerdem ein Überdrucktest vorgenommen: Auch bei extremer Materialbelastung müssen die Nähte der Notrutsche halten. Mit dem Zeitstandtest schließlich wird überprüft, dass die Notrutsche auch nach mehreren Stunden noch genügend Druck hält - ist dies nicht der Fall, deutet das auf Löcher oder Beschädigungen hin. Zugelassene Verfahren ermöglichen die Reparatur solcher Stellen bis zu einer bestimmten Größe.

Auch die Druckgasbehälter, mit denen die Notrutschen aufgeblasen werden, sind Teil des umfangreichen Kontrollprogramms. Sie stehen unter Hochdruck (ca.200 bar) und enthalten ein Stickstoff-Kohlendioxyd-Gemisch, das brandhemmend wirkt. Ein Ventil am Druckgasbehälter sorgt für konstanten Ausgangsdruck. Das Ventil wird in der Regel komplett überholt, alterungsgefährdete Teile wie z.B. Dichtungen werden ersetzt. Anschließend erfolgt ein Funktionstest, bei dem alle wichtigen Parameter des Regelventils überprüft werden. Mit einem Hydrostatiktest, bei dem der Behälter einem kontrollierten Überdruck ausgesetzt wird, wird seine Festigkeit geprüft. Sollte es hier zu Beanstandungen kommen, wird der Druckgasbehälter verschrottet. Der Druckgasbehälter bläst übrigens nicht nur die Rutsche auf, sondern betreibt auch noch ein Gerät, welches als "Aspirator" (eine Art Injektorpumpe) bezeichnet wird. Der Aspirator saugt Umgebungsluft an, die sich im Verhältnis von etwa zwei Drittel zu einem Drittel mit dem Gasgemisch des Druckgasbehälters vermischt. Diese Technik hält das Volumen des Behälters gering.

In regelmäßigen Zeitabständen wird das Auslösen von Notrutschen nicht nur in der Werkstatt, sondern auch am Flugzeug selbst getestet. Hierbei werden üblicherweise innerhalb bestimmter Zeiträume Stichproben aller Türpositionen der jeweiligen Flotte "gezogen". Unterstützt durch Videoaufnahmen analysieren die vor Ort anwesenden Ingenieure der Lufthansa Technik jeden Test. Dadurch können eventuelle Probleme frühzeitig erkannt und durch nachhaltige Korrekturmaßnahmen in Zukunft vermieden werden.

Der Auslösemechanismus einer Notrutsche ist üblicherweise an den Türmechanismus gekoppelt. Ist eine Flugzeugtür erst einmal "in flight" geschaltet, so löst die Notrutsche beim Öffnen der Türe automatisch aus. Es besteht aber immer noch die Möglichkeit, die Rutsche auch manuell zu aktivieren.