TCAS: Sicherheit während des Fluges

"Elektronischer Schutzschild" für jede Lufthansa-Maschine
Gefahr durch Near Misses deutlich verringert

Mit der Einführung des Kollisions-Warnsystems TCAS (Traffic Alert and Collision Avoidance System) hat sich die Bedrohung durch gefährliche Begegnungen zweier Flugzeuge in der Luft, so genannter Near Misses, deutlich verringert. Die gesamte Lufthansa-Flotte ist mit dem heute verwendeten TCAS II ausgestattet, das für Flüge im europäischen und US-amerikanischen Luftraum vorgeschrieben ist.

TCAS bietet dem Piloten Informationen über den Verkehr in seinem engeren Luftraum und ist dabei unabhängig von Radar-Einrichtungen am Boden. Das System nutzt zwei Antennen, die jeweils oben und unten am Flugzeugrumpf montiert sind und die Signale des Transponders, eines Antwortsenders, abstrahlen beziehungsweise empfangen. Ein Transponder kann auf einer festgelegten Frequenz abgefragt werden - auf einer zweiten Frequenz sendet er dann Informationen aus, beispielsweise die Höhe des Flugzeugs und seine individuelle Kennung. 

Vorrecht der ersten Entscheidung eindeutig geregelt

Wenn TCAS die Gefahren-Stufe vier ermittelt, also ein Ausweich-Manöver nötig sein sollte, muss einer der beiden TCAS-Computer die erste Entscheidung fällen, um damit den anderen zu einer entsprechenden Gegenreaktion zu zwingen. Das Vorrecht der ersten Entscheidung wird eindeutig über eine im Luftfahrzeug fest vergebene Identifizierungs-Adresse geregelt. Ausweichmanöver erfolgen bei TCAS grundsätzlich nur in vertikaler Richtung: Wenn die eine Maschine steigt, muss die andere sinken.

TCAS ist ein passives System, das der Besatzung lediglich Informationen gibt, jedoch nicht die Steuerung des Flugzeuges übernimmt. Die letzte Entscheidung, wie mit einer Gefahrensituation umzugehen ist, trifft grundsätzlich der Pilot. 

Ein 25 Kilometer großer Schutzschild

Jede mit TCAS ausgerüstete Maschine verfügt über einen elektronischen Schutzschild mit einem Durchmesser von etwa 25 Kilometern. Das System reagiert, sobald ein anderes Flugzeug in diesen Bereich einfliegt und somit als "Intruder" (Eindringling) bewertet wird. Die TCAS-Computer errechnen im Gegensatz zum Radar nicht die genaue Position des potentiell gefährlichen Flugzeugs, sondern die Zeit bis zu dem Punkt, an dem sich beide Objekte treffen würden (CPA, Closest Point of Approach). Dies ist deshalb sinnvoll, weil Flugzeuge mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sind, steigen oder sinken, geradeaus oder in einer Kurve fliegen können.

Die potentielle Gefahr durch zwei sich nähernde Flugzeuge wird in vier Stufen eingeteilt. Sobald eine entgegenkommende Maschine in den elektronischen Schutzschild eindringt, wird sie auf dem TCAS-Bildschirm angezeigt, und zwar mit verschiedenen Symbolen entsprechend den Gefahr-Stufen. Stufe eins ist eine reine Verkehrs-Information. Bei Stufe zwei wird auf eine mögliche Gefahr hingewiesen. Ab Stufe drei, die eine Erhöhung der Gefahr bedeutet, erhält der Pilot neben der Bildschirm-Anzeige auch akustische Warnungen. Bei Stufe vier wird die Besatzung schließlich aufgefordert, ein Ausweichmanöver einzuleiten, um so einer Kollision zu entgehen. Je nach Annäherung beträgt die Warnzeit des TCAS-Systems zwischen 20 und 45 Sekunden - abrupte Ausweichmanöver sind somit praktisch ausgeschlossen. In der Regel bekommen die Passagiere von Veränderungen der Flugroute durch das TCAS-System nichts mit.