Kabine der Zukunft

Kabinendesign aus der Perspektive der „Digital Natives"

Einer der entscheidenden Megatrends der zivilen Luftfahrt ist die Digitalisierung. „Daten sind der Rohstoff der Zukunft", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015 auf einem Digitalisierungskongress. Und Daten bestimmen auch die Zukunft des Instandhaltungsgeschäfts. Moderne Flugzeugmuster wie der Airbus A350 oder die Boeing 787 liefern heute bis zu 400.000 Messparameter. Insbesondere deren Triebwerke und Avionik bilden dabei die Speerspitze. Die Flugzeugkabine dagegen tut sich immer noch schwer, mit der rasanten Entwicklung im Consumer-Markt mitzuhalten. Denn was im Mobilfunkmarkt oder in der Automobilindustrie längst Standard ist, ist für die Flugzeugkabine noch immer Zukunftsmusik. Lufthansa Technik will zukünftig den Digitalisierungsgrad im Passagierumfeld deutlich erhöhen. 

  • 2016 Cabin Design Space
    Ideen und Layouts, die in dieser Form noch nicht am Markt zu finden sind.
  • 2016 Cabin Design Drawing
    Ein Business Class Sitz, der trotz geringerem Footprint mehr Privatsphäre bietet.
  • 2016 Cabin Design Clay
    Ein Clay-Modell, das üblicherweise im Automobilbau eingesetzt wird.
  • 2016 Cabin Design Armrest
    Hier ein am Mobilfunkgerätemarkt orientiertes Touchdisplay, das um die Ecke geht.
  • 2016 Cabin Design Eco
    Lösungen für die Economy Class für den Fluggast, der seine Reise liegend verbringen möchte.

Möglich werden soll dies mithilfe der Ergebnisse eines bevorstehenden Forschungs- und Entwicklungsprojektes. Als Vorbereitung zu diesem Projekt stellte sich die Frage, wie sich die „Generation Z" oder „Digital Natives" die Kabine der Zukunft vorstellen? Um diese Frage zu beantworten wurde eine Kooperation mit dem Studiengang „Transportation Interior Design" der Hochschule Reutlingen geschlossen. Die Studenten, die sich sonst hauptsächlich mit dem Design von Autocockpits beschäftigen und daher einen unverbrauchten Blick auf die Luftfahrt haben, setzten sich für die Dauer eines Semesters mit dem Thema „Flugzeugkabine der Zukunft" auseinander. Ziel war es, für die Passagiere während des Fluges ein völlig neues Erlebnis zu erzeugen.

Angeleitet von den Bereichen Original Equipment Innovation und Corporate Innovation Management entstanden Kabinenvisionen für den Zeithorizont 2030. Mithilfe neuer Technologien und Innovationen wie Virtual und Augmented Reality, intelligenten Materialien und einer modernen Designsprache soll der Passagier seinen Flug nicht mehr nur als Mittel zum Zweck wahrnehmen; er soll vielmehr auf eine völlig neue Art und Weise in das Geschehen eingebunden werden. Dabei orientierten sich die Studierenden nicht nur an technologischen, sondern auch an sozialen Trends. So entstanden Produktideen, die sich in fünf Gruppen einteilen lassen: Personalisierung und Privatsphäre, bequemes Schlafen in der Economy Class, verbessertes Raumgefühl, Gaming an Bord und Lösungen für eine älterwerdende Gesellschaft.

Jedes dieser Themen ist dabei aus einem Kundenwunsch heraus entstanden. Dabei orientierten sich die Studierenden bei ihren Überlegungen vornehmlich an jungen und junggebliebenen Menschen, die technisch immer auf dem neuesten Stand sein wollen. Die Produkte richten sich an Passagiere, die während ihres Fluges voll auf ihre Kosten kommen und etwas Außergewöhnliches und Neues erleben wollen. Die designtechnische Umsetzung orientiert sich primär an Emotionen. Dabei haben die angehenden Interior Designer stets den ganzheitlichen Ansatz verfolgt, modernste Technik mit modernster Formgebung zu verknüpfen. So entstanden Bordtoiletten und Controlpanels, multifunktionale Sitzmöbel und Kabinen-Layouts, beispielsweise mit funktionalen Gepäckfächern oder multimedialen Wandverkleidungen in modernen Farb- und Material-Mixen.

Die Ergebnisse sollen vor allem als Anregungen für das startende Forschungs- und Entwicklungsprojekt der Lufthansa Technik dienen. Ziel der neuen Produkte ist es, das Komfortempfinden zu verbessern, sowie die Raum- und Selbstwahrnehmung der Passagiere während des Fluges positiv zu verändern, um einen Paradigmenwechsel beim Komfort an Bord herbeizuführen und Flugreisen in Zukunft so angenehm wie möglich zu gestalten. Außerdem wird konkret darüber nachgedacht,  wie zukünftig in frühen Phasen der Entwicklung mit Industrie-Designern zusammengearbeitet werden kann, um Produkte so kundennah wie möglich zu gestallten. Ein erster, schnell produzierter Prototyp aus Clay (Industrieplastilin), wie es im Automobilbau üblich ist, oder eine anschauliche Skizze könnten das Einholen von Kundenfeedbacks auch in der Luftfahrt erheblich erleichtern.