Boroskopie – Einblicke in entlegenste Winkel

Moderne Triebwerke sind mittlerweile so groß, dass selbst erwachsene Menschen im Lufteinlassbereich aufrecht stehen können. Dennoch ist die aufwändige Technik im Inneren der Triebwerke nur äußerst schwer zugänglich. Nicht immer lässt sich eine genaue Diagnose durch die reine Analyse der Daten aus dem Engine Condition  Monitoring stellen. Daher muss am Boden in gewissen Fällen eine genaue Fehlerdiagnose erfolgen bzw. die Einschätzung aus der Datenanalyse validiert werden. Um beispielsweise eine Verdichterschaufel optisch auf Beschädigungen und Verschleiß kontrollieren zu können, musste früher fast das gesamte Triebwerk zerlegt werden, was enorm viel Zeit und Geld kostete. Heute werden die meisten Sichtkontrollen bei Lufthansa Technik im Rahmen von Mobile Services mit einem Boroskop durchgeführt. 

  • 2017 Boroscoping Flexoscope
    Mit den mitunter mehrere Meter langen Flexoskopen können selbst Bauteile tief im Inneren inspiziert werden.
  • 2017 Boroscoping Light
    Bei Lufthansa Technik kommt bereits die neueste Generation von Video-Boroskopen mit 3D-Messung zum Einsatz.
  • 2017 Boroscoping Close
    Die Sonden sind austauschbar und für Hohl- und Zwischenräume von bis zu vier Millimeter Durchmesser geeignet.
  • 2017 Boroscoping Equipment
    Das gesamte Boroskopie-Equipment ist deutlich kleiner, leichter und handlicher geworden.
  • 2017 Boroscoping Check
    Die aufwändige Technik im Inneren der Triebwerke ist nur äußerst schwer zugänglich.

Während die Optik der Boroskope anfangs mithilfe eines starren Rohres an die zu untersuchenden Stellen geführt wurde, greift man heute vornehmlich auf sogenannte Flexoskope zurück. Anstelle eines starren Rohres besitzt dieses Werkzeug einen biegsamen Schlauch, an dessen distalem Ende sich die Optik und entsprechende Sensoren zur Bilderzeugung befinden. Das Bild gelangt also nicht mehr wie früher mittels Linsenoptiken oder Lichtleitfasern, sondern auf digitalem Weg auf den Bildschirm. Mit den mitunter mehrere Meter langen Flexoskopen können selbst Bauteile tief im Inneren der Triebwerke inspiziert werden, die nicht auf geradem Weg zu erreichen sind. Darüber hinaus ist das gesamte Boroskopie-Equipment deutlich kleiner, leichter und handlicher geworden.

Bei Lufthansa Technik kommt bereits die neueste Generation von Video-Boroskopen mit 3D-Messung zum Einsatz: Sie ermöglicht eine optische Vermessung von lokalen Beschädigungen. Mit einer entsprechenden Mess- und Analysesoftware lassen sich Triebwerksschaufeln beziehungsweise deren Sehnenlängen hochgenau scannen, messen und berechnen. Die software-gesteuerte Plattform kann zukünftig permanent aktualisiert und erweitert werden. Die Sonden sind austauschbar und für Hohl- und Zwischenräume von bis zu vier Millimeter Durchmesser geeignet. Kleinere Beschädigungen an den Triebwerksschaufeln können mittels sogenannter Blending-Endoskope repariert können. Das ist vergleichbar mit der minimal invasiven Eingriffstechnik im Medizinbereich und erspart eine Demontage des Triebwerks. Des Weiteren kann der Zustand des Triebwerks regelmäßig überprüft und dadurch auch Voraussagen über den Verschleiß getroffen werden. Dies ermöglicht eine noch genauere und individuellere Ausbauplanung.

Für den Umgang mit dem Boroskop und dem dazugehörigen Hard- und Software-Equipment durchlaufen die Mitarbeiter von Lufthansa Technik ein mehrtägiges Grundlagentraining bei Lufthansa Technical Training. Hinzu kommen weitere Trainingstage für jedes Triebwerksmuster. Eine Weiterbildungsmaßnahme, die sich für Lufthansa Technik lohnt: Denn schon eine durch die Boroskopie eingesparte Triebwerksdemontage holt den Anschaffungspreis des entsprechenden Gerätes wieder heraus.