Airbus A380 -
Lufthansa Technik von Anfang an dabei

Seit Mai 2010 fliegt die erste A380 in den Farben der Lufthansa. Die Einführung des neuen Riesenairbus war nicht nur wegen seiner Größe eine besondere Aufgabe. Auch technologisch markiert die A380 die Spitze des modernen Flugzeugbaus.

Schon seit Jahren sind Lufthansa und die Lufthansa Technik in die Entwicklung des größten Passagierflugzeugs eingebunden. Denn schon als das Projekt noch A3XX hieß, hatte Airbus sich die Unterstützung der technisch führenden Airlines gesichert, unter ihnen auch die der Lufthansa, die ihr umfassendes Know-how als Launch Customer schon bei zahlreichen anderen Airbus-Programmen eingebracht hatte.

Nicht selten arbeiteten mehr als zehn Ingenieure der Lufthansa Technik seit 2001 im Rahmen der verschiedenen so genannten Customer Focus Groups an der Spezifikation und der Entwicklung der A380 mit. Mit ihrer Erfahrung aus dem Flugbetrieb und der Instandhaltung halfen sie, den Entwurf des Herstellers zu optimieren. Ein wichtiger Aspekt war dabei die Zuverlässigkeit der einzelnen Systeme. Welche Lösungen haben sich in der Vergangenheit besonders gut bewährt? Was sollte man ändern? 

Enormer Wissenspool der Lufthansa Technik

Auch was die Wartbarkeit eines Flugzeugs angeht, zahlte sich der enge Kontakt zwischen Konstrukteuren und Betreibern für beide Seiten aus. Mit dem, was in der Entwicklung festgelegt wird, müssen die Airlines und Instandhaltungs-Dienstleister auf Jahrzehnte hin leben. Sie erwarten, dass ein Flugzeug so konstruiert ist, dass alle Arbeiten schnell, einfach, ergonomisch und mit möglichst wenig Spezialwerkzeugen ausgeführt werden können. Und sie kennen die mustergültigen Beispiele ebenso wie die weniger empfehlenswerten Lösungen. Bei der Einführung des A380 flossen die umfangreichen Erfahrungen der Lufthansa Technik mit anderen Mustern ein. Das Unternehmen konnte dabei auf einen enormen Wissenspool zurückgreifen.

Auch bei der A380 konnten die Ingenieure der Lufthansa Technik im Dialog mit dem Hersteller einige entscheidende Verbesserungen erreichen. Eine Air Generation Unit zum Beispiel hätte nach den ursprünglichen Vorstellungen der Konstrukteure in einem Stück ausgetauscht werden sollen. Bei einem Gewicht von 400 Kilogramm wäre dies ohne schweres Hebezeug gar nicht möglich gewesen. Die Experten von Lufthansa Technik erarbeiteten nicht nur praktische Vorschläge, die den Ein- und Ausbau des Geräts enorm erleichtern, sondern entwickelten auch Lösungen, um den Zustand der dazugehörigen Wärmetauscher zu überwachen ohne sie dafür regelmäßig ausbauen zu müssen.

Wegen der enormen Größe der A380 spielt im Innern des Flugzeugs auch die Arbeitssicherheit eine noch wichtigere Rolle. Die Sektion 19, im Heck des Flugzeugs hinter dem Druckschott, ist beispielsweise in ihrem Innern mehr als vier Meter hoch. Passende Arbeitsplattformen wurden vorgeschlagen und an die bestehende Rumpfstruktur angepasst. Parallel dazu lief die Anpassung des Flugzeugs an die Wünsche der Kunden. Die Grundlagen des Kabinen-Layouts wurden bereits festgelegt. Auch hier standen Ingenieure von Lufthansa Technik dem Produktmanagement der Lufthansa Passage mit Rat und Tat zur Seite. 

Vorsitz im Industrial Steering Committee

Wegen ihres umfangreichen Know-hows hatte Lufthansa Technik den Vorsitz im Industrial Steering Committee, in dem Hersteller, Operator und Behörden gemeinsam die Grundlagen für die Wartung der A380 erarbeiteten. Was dort festgelegt wurde, beeinflusst den Aufwand für die technische Betreuung der A380 auf Jahre hin. Auch dabei galt es Lösungen zu finden, die den hohen Sicherheitsanforderungen Rechnung tragen, zugleich aber dem Airline-Alltag gerecht werden und möglichst wirtschaftlich sind.

Praxiserfahrung bringt auch für die Schulung des Wartungspersonals einen erheblichen Mehrwert für beide Seiten. Deshalb war die Lufthansa Technik-Tochter Lufthansa Technical Training mit einem Mitarbeiter mehrere Jahre vor Ort in Toulouse bei Airbus, um an der Entwicklung der Trainingsprogramme für das technische Personal mitzuarbeiten.

Wichtig waren auch die unmittelbaren Vorbereitungen für die Einführung der A380, so zum Beispiel die Definition des Ersatzteilbedarfs, die Beschaffung dessen sowie der Aufbau der dazugehörigen Logistik. Teil dieser Aktivitäten ist die Zusammenarbeit mit Air France für die Versorgung mit Geräten und Komponenten. Im Juni 2005 war zu diesem Zweck das Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik und Air France Industries "Spairliners" gegründet wurden, das sich nicht nur um die 27 bestellten A380 der beiden Anteilseigner kümmern wird, sondern seine Leistungen auch anderen Airlines für die Versorgung mit Ersatzteilen anbietet. Seit Oktober 2008 versorgt Spairliners die ersten bei Qantas eingesetzten A380 mit Komponenten. Beim Einzug des Doppelstock-Riesen in die Lufthansa-Flotte hatte Spairliners bereits intensive Erfahrung mit Services für die A380 gesammelt.

Um die Rolls-Royce Trent 900-Triebwerke kümmert sich N3 Engine Overhaul Services in Arnstadt, ein Joint Venture von Lufthansa Technik und dem Triebwerkshersteller Rolls-Royce PLC. Gegründet im April 2007, ist N3 einer der fortschrittlichsten und am besten ausgestatteten Wartungs- und Reparaturbetriebe für große Rolls-Royce Dreiwellen-Mantelstrom-Triebwerke der Serien Trent 500, 700 und 900.

Die Indienststellung des größten kommerziellen Passagierflugzeugs der Welt ging einher mit einer Vielzahl von Herausforderungen. Die Anpassung und Verbesserung der Technik war wichtig, aber noch wichtiger ist die Ausbildung der Menschen, die sie benutzen. Um das ohnehin schon hochqualifizierte Personal von Lufthansa Technik auf die Arbeit mit der A380 vorzubereiten, bietet Lufthansa Technical Training, ein einhundertprozentiges Tochterunternehmen von Lufthansa Technik, ein spezielles Schulungsprogramm in Frankfurt an. Der Premieren-Kurs war am 7. Oktober 2008 gestartet. Er bereitete die Mitarbeiter schon lang vor der Ankunft der ersten A380 vor und bildetet damit die Grundlage für eine reibungslose Indienststellung des neuen Giganten bei der Lufthansa.